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Makrelen in Georgien

Unsere Botschafterin Rosina Friedel unterwegs in Georgien. Mit ihrer Ski-Crew, die sich Makrelen nennt, bahnt sie sich ihren Weg durch das Land und die Skigebiete auf der Suche nach Powderfun und Besonderheiten des Landes..


Part -1-

Nach einer aalglatten Landung in Kutaisi, wartete unser Busfahrer schon. Wie Forellen im Zuchtebecken quetschten wir uns mit 5 Skibags und einem Gepäckhaufen in einen in die Jahre gekommenen Ford Transit.
Nachdem sich Bretts (Tobias Bretzke) auf dem Markt noch 4 Jacken aufschwatzen lassen hat, waren wir bereit und haben uns einen Ride in die Berge nach Mestia geködert.

Mit 2 Stunden Verspätung, 14 Mitfahrern und 3 Säcken Mehl ging es bis zum ersten Stopp gediegen dahin. Was nach einer kurzen Kaffepause aussah, entpuppte sich als der Start einer Odysee. Ausgestattet mit Chatschapuri (Georgisches Hefebrot mit Käse) und schallender armenischer Volksmusik, schlängelten wir uns durch den Kaukasus. Kurz vor Mestia kam unsere Maschrutkavom Kurs ab und kenterte nach Backbord im Graben.  Nach 3-stündiger Rettungsaktion und einem weiteren, in den Untiefen gestrandeten, Unimog waren wir back on track und liefen endlich in die sicheren Gefilde unseres Guesthouses ein.

Die nächsten 2 Tage kratzten wir bis auf ein paar nice Treeruns am Harschdeckel der beiden, vom Ort zu erreichenden, Skigebiete ohne die ersehnten Faceshots zu angeln.

Glücklicherweise konnten wir uns, beäugt von neugierigen Dorfbewohnern, trinkfreudigen Sanitätern und skifahrenden Kids, auch mit der abgebrannten Ruine der alten Polizeistation von Mestia bespaßen.

Am nächsten Tag wurde der Köder etwas weiter ausgeworfen und es ging nach Bischkubuschku auf große Skitour. Trotz der Kiemen, die durch Wassermangel schon am austrocknen waren ging es langsam aber sicher Richtung Gerinda.

Die Brille unsres Bergführers erinnerte zwar mehr an das Coachella Festival als an einen Bergführer, nicht desto trotz führte er unsere sanften Parkgemüter durch schwindlige Höhen in Richtung jungfräulichen Couloirs und Panoramas die den Alpen in nichts nachstehen.

Das Runterfahren im warmen Scharlachrot der Abendsonne erinnerte dann doch mehr an Surfen in Kalifornien, als an die eisigen Höhen im Schatten der höchsten Berge Europas.

Die nächsten Tage halten sicher noch ein paar Abenteuer Bereit , also schaut mal wieder vorbei!

AHOI!“

 

Part -2- 

‚knock knock who’s there?’ dachten wir uns als eines Samstag morgens Torchinger und Luis aus unserer Gruppe einen Schwarm machten. Die beiden schlaflosen Fische täuschten auch nach einer 17-stündgen Anreise keine Müdigkeit vor und mit einem stärkenden Brunch aus Milchreis und Bratkartoffeln ging es auf Streetspotsuche. Gottseidank zieht Urbanlegende Torchinger die Spots an wie eine Anglerfisch seine Beute und so tummelten sich schon am Nachmittag erste Shots im el.Makrell-Kescher.

Auf zu neuen Riffen. Wie am Fischmarkt wurden die Preise der Maschrutka gehandelt und in tiefere Gewässer nach Ushguli vorgestoßen. Im ebenso kalten wie gastfreundlichen Guesthouse Qualdea wurden die Makrelen mit von der großherzigen Hausherrin persönlich zubereiteten Khachapuris auf die kühnen Wagnisse in eisigen Höhen vorbereitet.

Bei einer Schneeschicht, stabil wie ein Kartenhaus, schwammen wir durch die dicke, nach Kickerspots riechende, Nebelsuppe. Unser Geruchssinn ließ uns nicht im Stich und führte uns zu dem lang ersehnten Riff, welches uns Hoffnung gab, dass unsere halsbrecherischen Träume von fliegenden Fischen Wirklichkeit werden sollten.

Doch zunächst machte sich die eiserne Faust des unbarmherzigen Filmeralltags bemerkbar: Warten auf gute Sicht und endlose Schufterei, die darin bestand das UNESCO Weltkulturerbe für unsere Zwecke umzubauen.

Schon am Nachmittag konnte man dann die ersten Flugmanöver über die Wehrtürme Ushgulis gen Horizont beobachten. Beäugt von der neugierigen Dorfjugend fanden sich auch sogleich kuriose gummibestiefelte Nachahmer.

Die Atemwolken beim Frühstück erinnerten noch an die Nebelsuppe vom Vortag, während draußen der Himmel so klar war wie Wasser in seiner reinsten Form. Schon bald machten wir uns auf zu unserem viel versprechenden Riff.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten wurden unsere Hoffnungen nicht enttäuscht und die Makrelen breiteten ihre Flossen aus und segelten wie der fliegende Holländer über die Weltmeere Ushgulis.

Zurück in den gewohnten Flachgewässern Mestias wärmten die stinkenden Fische ihre gefrorenen Schuppen aufgereiht wie Steckerlfisch bei der Fischer Vroni am glühenden Holzofen und gönnten sich eine kreative Fischkur im örtlichen Skigebiet Hatsvali.

Für heute aber wurde genug Seemannsgarn gesponnen, wir hören uns nächste Woche wieder!

AHOI

 

Part – 3: Auf den Spuren der vergessenen Heerstraße

Nachdem der Großteil unserer Gruppe in ihre Laichgebiete zurückgekehrt war, tauchten wir noch ein letztes Mal in die Gewässer Georgiens ein. Es ging darum die Tiefen um den Gudaurigraben zu erforschen. Doch zunächst mussten wir auf einer 14 stündigen Fahrt zu unserem Basislager am Fuße des Kazbeks (5.033 m) drei wesentliche Unterschiede zu europäischen Straßen feststellen:

–               dreimaliges sich bekreuzigen ersetzt den Sicherheitsgurt

–               Geschwindigkeitsbeschränkungen lassen sehr viel Interpretationsspielraum

–               Nahtoderfahrungen verlieren mit der Häufigkeit ihren Schrecken.

Die erste Expedition ließ nicht lange auf sich warten und wir schwangen uns unter den wachsamen Augen des Bidara auf den Kobisattel. Die ersten Sondierungen des Geländes brachten allerdings nur den altbekannten Bruchharschdeckel zu Tage, durch den wir uns gen Tal wie ein Eisbrecher durch die Arktis frästen.

Nachdem uns der Bidara wieder auf die Heerstraße entließ, wurden wir von zwei großherzigen Russen eingefangen, die ihren Muskelkater vom Vortag mit dem Ausblick auf den Kazbek bekämpfen wollten. Wenig wirksam beschlossen wir ihn auf die altbewährten Methode zu kurieren: Georgische Spezialitäten und Khachapuri. Mehrere Stunden später und mit der Gewissheit, dass die beiden Ehrenmakrelen Thomas Anders und Dieter Bohlen bis in die Gaststuben Georgiens und Russlands vorgedrungen sind, traten wir die Heimreise an. Wir kamen uns vor wie Pinguine am Fuße eines mächtigen Eisbergs und watschelten im Nebel des Traubensafts in Richtung des vergilbten Goldes der Sowjettapeten unserer Babuschka.

Gestärkt von den liebevoll geformten Kinkali unserer Gastoma mussten wir feststellen, dass die früh morgendlichen Maschrutka Preise sich der Richtung des kaukasischen Windes anpassten, der jegliche Hoffnung auf Neuschnee mit unerbittlicher, trockener und eisiger Kälte erwiderte.

Noch von der Energie des Essens vom Vortag zehrend zog sich das in der Sonne leuchtende Zick Zack unserer Aufstiegsspuren gemächlich in Richtung Gipfel. Durch den azurblauen Äther des Kaukasus überwanden wir unbarmherzige Steilstufen und wiegten uns schließlich im silbrigen Schoß des Deda Ena (3.488 m) in Sicherheit.

Die Fährte unserer Vorgänger erinnerte allerdings schmerzlich daran, dass in den nächsten Höhenmetern heimtückische gefahren lauerten ähnlich den Seeungeheuern im Mariannengraben. Immer mehr verblasste sie im Wind und verschwand nur wenige Meter danach komplett im unschuldigen Schein des glitzernden Schnees, ummantelt von einem der gefürchteten Schneemäuler das alles mit sich in die ewige Tiefe zieht.

Ein Blick auf unsere Taucherglocke mahnte uns ebenso dazu, den schlummernden Deda Ena nicht weiter herauszufordern und so beschlossen wir in den Strahlen des schützenden Lichts der sich im Westen verabschiedenden Sonne die Rückkehr zu unsrem Basislager anzutreten.

Als sie im Osten wieder den Morgen einläutete planten wir die Wiederholbarkeit unseres Experimentes über fliegende Fische zu überprüfen. Nach kurzer Suche wurden wir auch schon fündig und bauten eine zerfallene Ruine für unsere Zwecke um. In unserer Vorstellung flogen wir schon über und unter den Türen hindurch, bis uns unser alter Freund und Feind, der Schnee mal wieder einen Strich durch die Rechnung machte: Der Absprung war noch instabiler als die vergessenen Gebäude Atlantis‘ und zerbröselte unter dem Druck unserer Ski wie unsere Träume von fliegenden Fischen.
Also beriefen wir uns mal wieder auf unsere Kreativität und so schafften wir es doch noch mit unseren müden Flossen ein paar rasante Manöver vor der Linse zu zelebrieren. Müde und nach altem Fisch riechend machten wir uns ein letztes Mal zu unserer Babuschka auf um wehmütig einen letzten Tag in Tiflis vor unserer Abreise zu verbringen.

Zunächst überwältigt von der Schönheit der Stadt, entpuppte sich der Stadtbummel allerdings bald als kompletter Horrortrip. Als wir uns am Markt noch nichtsahnend durch das Obstangebot aßen stießen wir auf das Grauen. Der Geruch von totem Fisch und Blut stieg uns in die Nasen. Freunde, Forellen und andere Fische waren auf engstem Raum in gläserne Kästen, die mehr mit Sardellenbüchsen als mit Aquarien gemein hatten, eingepfercht. Daneben erbarmungslose Schlachter die einem nach dem anderen den Gar ausmachten. Verstört von den schrecklichen Bildern in unsrem Kopf suchten wir die nächste Gaststube auf, um die grausamen Bilder im vergebenden und vollmundigen georgischen Delikatessen zu ertränken und zu den Klängen von Britney Spears und mit wild tanzenden Jung-Georgiern auf unsere Erlebnisse anzustoßen.

Mit unseren Ski, Klamotten und einem anständigen Schädel im Gepäck flogen wir schlussendlich Gebirge, Länder und Meere überquerend in unsere Laichgewässer zurück. Dort vermissten uns Familie und Freunde schon sehnsüchtigst, um unseren Abenteuern und Heldentaten zu lauschen.

 

In naher, oder fernerer Zukunft werden wir uns noch einmal in bewegten und bewegenden Bildern zurückmelden!

 

Bis dahin: STAY FISHY!

 

Mehr Infos zu el.makrell findest du hier: